Heute hatte ich ein herzliches Telefonat mit einem Ex-Kollegen: Thomas.
Wir hatten diesen Termin vereinbart, weil wir uns aus reinem Interesse zu der Frage austauschen wollten: Sind Geld und viel Zeit tatsächlich die Basis für Glück und für ein zufriedenes Leben?
Ich habe zuerst erzählt, was ich in den fast zwei Jahren seit der Schließung der Firma – unseres gemeinsamen Arbeitgebers – alles gemacht habe, wie ich meine Community zum Thema Aktien aufgebaut habe und wie ich seit Anfang dieses Jahres zusätzlich Cashflow-Spielabende organisiere.
„Interessant! Wow! Hochinteressant!“, sagt Thomas.
Die andere Seite der Medaille
„Ja, Finanzielles ist wichtig. Aber ich glaube, es gibt noch eine andere Seite der Medaille“, setzt er fort. „Es gibt ja nicht nur das materielle Leben, sondern auch das Emotionale, das Weiche, das, was einen wirklich glücklich macht.“
„Wie meinst du das konkret mit dem Emotionalen?“, fragte ich.
„Wenn ich zum Beispiel einen teureren Fotoapparat kaufe, bringt mir das zwar Glück, aber nur ganz kurz. Danach ist das Glücksniveau wieder unten. Anders ist es, Zeit mit dem Partner oder mit Freunden zu verbringen. Das ist das, was für mich wirklich Glück bringt.“
„Wie möchtest du denn konkret Zeit mit den Menschen verbringen, die dir wichtig sind? Was möchtest du zum Beispiel mit deiner Frau am liebsten machen?“, fragte ich.
„Zum Beispiel segeln. Wir waren einmal eine Woche entlang der kroatischen Küste segeln. Das war wirklich schön. Abends noch ins Restaurant. Es macht Spaß, mit Menschen zusammen zu sein, mit denen man sich gut versteht. Da bleibt das Glücksniveau hoch, und am liebsten möchte man sich sofort für den nächsten Termin verabreden.“
Ich grinste innerlich und fragte Thomas: „Kostet das Ganze auch Geld?“
„Ja, schon. Und zwar nicht wenig.“
Konsum und nachhaltiges Glück
„Ich verstehe, dass du echtes Glück im Leben haben willst. Nur sehe ich bei dir einen Glaubenssatz, der dir dabei im Weg steht. Er kommt aus einer Verwechslung.“
Es war plötzlich absolut still am Telefon. Ich musste kurz prüfen, ob die Verbindung noch da war.
„Ja, ich höre“, bestätigte Thomas.
„Sowohl beim Fotoapparat als auch beim Verbringen von Zeit mit Menschen, die einem wichtig sind, sehe ich das Element Geld. Die Unterscheidung ist trotzdem berechtigt und wichtig. Nur liegt sie nicht zwischen Geld und Glück: Das eine ist Konsum, das andere ist etwas, das echtes und nachhaltiges Glück bringt.“
Warum konsumieren wir? Nicht, weil wir böse sind, sondern oft, weil wir Dinge tun müssen, die wir eigentlich nicht wollen. Zum Beispiel früh zu einer Arbeit zu gehen, die uns innerlich nicht gefällt und die wir nur wegen des Geldes machen. Das ist anstrengend und erzeugt Stress. Konsum kann diesen Stress schnell beseitigen – allerdings nur sehr kurzfristig.
Konsum ist auch deshalb ungünstig, weil er den Kontostand reduziert. Das bedeutet: Man muss wieder mehr arbeiten, was erneut Stress verursacht – und versucht anschließend, diesen Stress wieder kurzfristig mit Konsum auszugleichen.
Man entscheidet also, ob man sein Geld für Konsum einsetzt oder für etwas, das einen langfristig glücklich macht.
Geld ist nur ein Mittel. Geld ist neutral. Geld ist auf beiden Seiten. Mit anderen Worten: Geld hat keine Seiten.
Wie sieht dein glückliches Leben aus?
„Geld ist nur ein Mittel. Ja, da hast du recht“, antwortet Thomas. „Aber ich glaube, Geld muss nicht notwendig sein, um glücklich zu sein.“
Er fährt fort: „Im Zweiten Weltkrieg war man schon glücklich, wenn man morgens aufwachte und sah, dass man noch lebt. Da muss man kein Geld haben, um sich glücklich zu fühlen, oder? Es gibt Menschen, die in den Bergen leben und vollkommen glücklich sind.“
„Die Frage ist: Wie sieht für dich ein glückliches Leben aus?“, fragte ich.
„Für mich? Ich bin eigentlich ganz zufrieden. Ich kann mich nicht beschweren und man kann nicht …“
Es war, als hätte jemand einen Schalter umgelegt: Thomas begann, ein Argument nach dem anderen dafür aufzuzählen, warum ein vollkommen glückliches Leben nicht möglich sei.
„Thomas!“, unterbrach ich ihn. „Ich möchte dich ermutigen: Denk darüber in Ruhe nach. Du hast jedes Recht dazu, das zu wollen, was du dir innerlich wirklich wünschst.“
Die Antwort wird nicht von heute auf morgen kommen. Vielleicht dauert es Wochen oder Monate, und es wird auch nicht leicht sein. Mach einen Spaziergang, ganz für dich allein. Wichtig ist nur, dass die Antwort aus deinem Inneren kommt und nicht von äußeren Faktoren beeinflusst wird.
Die eigenen Wünsche wieder hören
„Also, du hast recht“, sagt Thomas laut, wie plötzlich aus einem Traum erwacht. „Wenn ich es für mich mache … zum Beispiel, wenn einer YouTuber werden will, dann macht er es aus Ego, weil er anderen etwas zeigen möchte.“
„Auch wenn du für dich herausgefunden hast, dass du innerlich wirklich YouTube machen willst, dann ist das deins. Wir sind seit unserer Kindheit von Erwartungen und Bewertungen anderer geprägt: von unseren Eltern, der Schule, Kollegen und Chefs. Und wir hören ständig im Kopf die Stimmen von Fremden, die sofort Kommentare zu jedem originellen Gedanken abgeben, der frisch aus uns heraus entsteht.“
Nach und nach wird es für uns sehr schwierig, zwischen dem zu unterscheiden, was wir selbst wirklich wollen, und dem, was wir aufgrund äußerer Einflüsse wollen. Dafür sind Spaziergänge allein sehr hilfreich.
„Okay! Das mache ich! Eines weiß ich jetzt schon: Ich möchte nicht jeden Tag immer das Gleiche erleben. Ich möchte jeden Tag etwas anderes. Abwechslung ist für mich wichtig!“
„Super!“
„Wie verbleiben wir? Was soll ich mit dem Cashflow-Spiel machen?“, fragt Thomas.
„Schreib mir gerne deine Gedanken, und lass uns in zwei bis drei Wochen wieder telefonieren. Ich markiere es in meinem Kalender. Das Cashflow-Spiel ist der Weg. Lass uns zuerst das Warum klären. Wir hören uns.“
Was nimmst du aus diesem Gespräch mit?
Hast du bis heute Konsum und Geld miteinander verwechselt?
Ist es nicht schade, ein ganzes Leben mit dieser Verwechslung zu leben? Nur weil ein wirklich glückliches Leben wahrscheinlich auch ein Geld-Element beinhaltet – ebenso wie Konsum –, lehnt man dieses Leben für sich ab. Oder man nimmt sich gar nicht erst die Ruhe, darüber nachzudenken, wie das eigene glückliche Leben aussehen könnte.
Ich weiß nicht, wer diese Verwechslung angefangen, gefördert oder verbreitet hat – mit oder ohne eigenes Interesse dahinter.
Aber ich glaube daran: Jeder Mensch ist berechtigt, für sich herauszufinden, wie sein wirklich glückliches Leben aussieht, diesem Leben entgegenzugehen und es zu leben.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf gekündigt – wat nu?.